Vom Suchen und Finden

Eine Anekdote aus dem Alltag

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Wer sucht, der sucht

Neulich habe ich beinahe eine Stunde lang damit verbracht, durch Prime und Netflix zu zappen, auf der Suche nach einem Film, der mein Gemüt anspricht und bei dem ich im Nachhinein nicht das Gefühl hätte, meine Zeit verschwendet zu haben. Dieses Vorhaben war ein bisschen wie mit dem Boot rauszufahren auf das Meer auf der Suche nach Füchsen. Ich bin mir sicher, hätte ich stattdessen Nadeln im Heuhaufen gesucht, wäre ich erfolgreicher gewesen. Denn ich habe gesucht und gesucht und weitergesucht.

Warum sagt man: „wer sucht, der findet?“

Ich glaube, wer sucht, der sucht. Immerhin ist ein Gesetz der Natur – die Message, die du ins Universum sendest, kommt zurück wie das Echo. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, was du säst, das erntest du. Außer du säst im Heuhaufen. Da ist es so trocken, da wächst nichts. Nicht einmal Nadelbäume.

Wer findet, der findet

Meine Absicht, meine Zeit nicht verschwenden zu wollen hat mir genau das Gegenteil beschert.

Und warum das?

Weil das Universum kein „Nein“ und kein „Nicht“ kennt. Die Message, die ich in den Wald des Netflix-Dschungels hineinrief, lautete: „Ich suche nach etwas und ich will das Gefühl haben, meine Zeit zu verschwenden“.

„Dein Wille geschehe!“, schallte es heraus und ich suchte und suchte und suchte.

Wer genau weiß, wonach er sucht, hat natürlich bessere Karten. Der sucht ja auch nicht, der spürt auf, der findet. Hätte ich zum Beispiel die Absicht gehabt, Titanic anzuschauen, hätte ich einfach Titanic geschaut.

Deswegen lautet mein Rat an alle Suchenden. Hört auf zu suchen. Findet.

Natürlich ist es keine Lösung, immer denselben Film zu schauen. Aber um nicht im Dunkeln zu zappen ist es ratsam, die telepathische Bestellung beim Universum klar und deutlich zu machen.

Alles, was es braucht, um vom Suchenden zum Findenden zu werden, ist eine Umformulierung. Eine Transformation der Nachricht. „Ich finde blitzschnell einen inspirierenden, berührenden Film“ oder ganz einfach nur „Ich schaue jetzt einen beeindruckenden Film“ – mit dieser Absicht wäre ich wahrscheinlich ganz zufällig fündig geworden. Dafür hätte ich nicht wissen müssen, nach was ich suche. Es hätte gereicht, zu wissen, was ich finden will.

Ist das nicht das Gleiche?

Für mich nicht. Wenn ich suche, dann rattert es in meinem Kopf und ich schaue nach etwas Konkretem, einen Filmtitel, Bewertungen, Erscheinungsjahr zum Beispiel. Irgendwann wird mir schwindelig und ich bin ganz konfus vor lauter Optionen, Vergleichen und Pros und Kontras. Es ist der Versuch, mit dem Kopf das Herz zu befriedigen. Das ist wie bei Durst Essen.

Wenn ich hingegen finde, dann spüre ich in mich hinein und höre auf mein Gefühl. Ich erkenne, in welcher Stimmung ich bin und entscheide, nach welchem Gefühl mir zumute ist – und wie sich das Gefundene anfühlen soll. Das Konkrete überlasse ich dann dem Zufall. Das was, wann und wie.

Zufälle gibt es nicht

Es gibt keine Zufälle. Was für meinen Verstand aussieht wie ein Zufall ist das Ergebnis der Kraft, die immer am Wirken ist auch wenn wir es nicht merken. Die Kraft, mit der wir ganz einfach finden, was wir suchen, wenn wir die Suche einstellen und mal lockerlassen. Deswegen finden so viele Leute einen Partner oder neuen Job, sobald sie aufhören zu suchen. Oder sich selbst. Oder werden schwanger, sobald sie aufhören, es zu ver-suchen. Ein Zufall ist, wenn einem etwas ganz einfach zufällt.

Diese Herangehensweise klingt für den rationalen Denker erst einmal unlogisch, zu riskant und willkürlich. Wir haben es gelernt, den Kopf zu benutzen. Vor allem, wenn es um „Wichtiges“ geht, wie die Liebe, Arbeit oder Babys. Die Kunst ist es, gerade hier davon abzulassen! Den Kopf auszuschalten und den Bauch einzuschalten – nicht nur zum Verdauen, sondern zum Fühlen.

Mit Netflix manifestieren üben

Etwas Triviales wie Filmschauen ist ein optimales Übungsterrain, um einfach mal auszuprobieren, mit Energie zu arbeiten anstatt mit dem Kopf. Das nächste Mal, wenn du den Fernseher einschaltest, schalte den Kopf aus, den Bauch an und schau mal was passiert. Wenn es nicht klappt ist nichts verloren. Im Zweifelsfall kannst du immer noch Titanic schauen. Oder Kopfkino.


© Anne-Marie Sterr 2020
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