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Tiere sind die besten Lehrer

Von Tieren habe ich sehr viel über das Leben und mich selbst gelernt. Es ist spannend, Tiere zu beobachten oder auch ein telepathisches oder imaginäres Gespräch mit ihnen zu führen. Bist du neugierig, wie mir eine Stadtratte eine Lektion in Sachen Selbstliebe gab? Hier ein kleiner Auszug aus meinem Buch „Seelenschnitzeljagd“, als ich 2017 in Brasilien ganz unglücklich mit mir selbst war:

Was eine Ratte mich über Selbstliebe lehrte

„Ich saß auf dem Mäuerchen an der Strandpromenade, trocknete mich und blickte semi-entspannt auf das Meer, als plötzlich eine Ratte neben mir saß. Ich fragte sie, was sie mir denn sagen wollte. Sie sagte: „Ich bin als Ratte auf die Welt gekommen und die meisten Menschen verabscheuen mich weil ich eine Ratte bin und rennen kreischend weg, wenn sie mich sehen. Aber ich leide nicht darunter und mache mich selbst nicht fertig, weil ich eine Ratte bin – und auch noch eine hässliche, wie du festgestellt hast. Ich versuche nicht, keine Ratte zu sein.“

„Die Ratten im Park in Kapstadt tun aber so als wären sie Eichhörnchen. Aber die sind auch verzogen“, antwortete ich lautlos.

Doch ich verstand, was die Ratte meinte. Ich bin nun mal als Anne auf die Welt gekommen und was die Anderen von mir halten ist gleichgültig. Ich bin Anne und ich muss einfach nur ich selbst sein, das ist meine Aufgabe. Die Ratte ist frei wie ein Vogel, kann umherrennen und allen Scheiß fressen und muss sich um nichts Sorgen machen.

Es war Zeit, dass ich mich nicht mehr verstecken würde. Es war Zeit, Anne zu sein, 100% reine Anne. Ohne Zusatzstoffe. Ohne GMO. Süß und unverwechselbar. Raffiniert wie weißer Zucker. Mit Biss. Etwas zäh. 100% natürlich und hausgemacht. Trocken im Humor und unvergesslich im Abgang.

Mir wurde klar, dass es egal war, wo auf der Welt ich mich aufhielt – wenn ich mich in mir selbst sicher fühlen und mich nicht selbst misshandeln und stillheimlich fertigmachen würde, dann ginge es mir gut. Wenn ich aber unglücklich wäre und leiden würde, dann wäre es egal, wie schön der Ort wäre, wo ich mich aufhalten würde.“

Ein Tausendfüßler über den Sinn des Lebens

In Machu Picchu in Peru lernte ich eine recht simple und dennoch wichtige Lektion von einem Taußendfüßler:

„Ich entschied mich, den Nachmittag auszunutzen und lief den Weg in Richtung Sonnentor, auf die andere Seite des Berges, in entgegengesetzter Richtung zu den Ruinen. Hier begegnete ich nur sehr wenig Menschen, die meisten kamen mir entgegen, denn es war schon recht spät. Die Aussicht über das Tal und die Berge der Umgebung war atemberaubend.

Ohne Eile schlenderte ich den Pfad entlang, herzförmige Steine wiesen mir den Weg. Ich hatte nicht vor, unbedingt das Sonnentor zu sehen, ich wollte einfach nur in der Natur sein und möglichst ungestört.

Auf dem Pfad begegnete ich einem Tausendfüßler, er mich daran erinnerte, dass es nicht darum geht, irgendwo anzukommen. Sei es auf dem Wanderweg zum Sonnentor in Machu Picchu oder auf dem eigenen Lebensweg. Es geht einzig und allein darum, einen Schritt nach dem anderen zu tun, sich weiterzubewegen und im übertragenen Sinne, weiterzuentwickeln. „Der Weg ist das Ziel“ klingt sehr abgedroschen, aber es stimmt trotzdem. Wahrscheinlich würde ich im Leben nie ankommen, nie das Gefühl haben, dass ich es geschafft habe. Immer irgendwelche Ziele verfolgen und Wege einschlagen. Lange dachte ich, meine Reise wäre dazu da, den Sinn meines Lebens zu finden. Doch es dämmerte mir, dass dieser Sinn nicht ein konkretes Ziel war, das ich irgendwann erreichen würde und dass es darum auch gar nicht ging.“

Achtsamkeitsübung mit einem Frosch

In Kolumbien verbrachte ich ein paar Tage in einem Zelt in der Sierra Nevada inmitten der Natur. Hier lehrte mich ein Frosch eine Lektion in Achtsamkeit und Vertrauen.

„Beinahe trat ich im Dunkeln auf einen Frosch, als ich die Treppe hinunterging, um im Haus Abend zu essen. In letzter Sekunde sprang er unter meiner Fußsohle weg. Tiere reagieren instinktiv. Wenn ein Mensch ein Frosch wäre, würde er auf der Treppe sitzen und denken: „Hoffentlich zertritt mich niemand, hoffentlich zertritt mich niemand“ und vor lauter Angst erstarren und das Froschleben gar nicht genießen. Er würde sich Frosch-Beruhigungstabletten verschreiben lassen müssen, um weiterhin so dasitzen zu können, in ständiger Gefahr, zertreten werden zu können. Vor lauter Angst und Sorgen würde er seinen natürlichen Instinkt gar nicht mehr wahrnehmen und am Ende wirklich noch zertreten. Ich hatte im Laufe meines Lebens meinen Instinkt auch verloren. Mein Vertrauen in Menschen und das Vertrauen in meine eigene Menschenkenntnis.“

Meditationskurs mit Vogelgesang

Zurück in Deutschland war ich hin und weg vom Gezwitscher der Vögel. Vögel sind fabelhafte Meditationstrainer. Vogelgezwitscher ist Meditations-Live-Musik statt von der Platte. Probier's mal aus! Wenn du Vögeln beim Zwitschern zuhörst, kannst du aus deinem Gedankenkarusell ausbrechen und zurückkommen in die Gegenwart. Im Sommer ist das genial, denn Vogelgezwitscher gibt es dann fast überall, in der Stadt genauso wie auf dem Land. Kurz vor Sonnenaufgang zwitschern die Vögel am Lautesten – wenn du zu den Early Birds gehörst, dann ist dies der perfekte Moment für deine Morgenmeditation. Doch auch für die Nachteulen wird das sommerliche Vogelorchester noch einmal laut – pünktlich zur Abenddämmerung.

Von den Tieren lernen

Tiere können uns viel über das Leben beibringen. Wir Menschen sollten im Einklang mit ihnen leben und von ihnen lernen, nicht über sie herrschen und sie schlecht behandeln. Denn in vielerlei Hinsicht sind sie um einiges schlauer als wir. Es ist unser ungesunder Menschenvestand, der uns dazu verleitet, mit weniger Intelligenz zu handeln als jede blöde Kuh und manch eine dumme Sau.

Wie ein Schmetterling mich über das Leben nach dem Tod unterrichtete, kannst du übrigens in diesem Blogpost lesen.


© Anne-Marie Sterr 2020
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