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Ostern während der Corona-Krise

„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“
— Jesus (Mt 16, 24)

Ostern ist in Corona-Zeiten anders als sonst. Ein dunkler Schatten zieht über die Welt und lässt die bunten Ostereier grau aussehen. Wir feiern dieses Jahr kleinerem Kreise oder verbringen die Feiertage sogar allein zuhause. Reisen wurden abgesagt und die Ostereiersuche findet in vielen Haushalten auf engstem Raum statt. Was aber bedeutet Ostern überhaupt im Kontext der Corona-Krise? 

Hier ist meine Übersetzung der Oster-Geschichte:

Jesus der Influencer

Vor ca. 2000 Jahren lebte Jesus. Er war ein cooler Homie mit dunkler Haut und langem Bart. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und war viel auf Reisen, auch wenn er kein Geld hatte. Er war damals einer von vielen Influencern, die im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität unterwegs waren. Wanderprediger nannte man sie und sie arbeiteten offline. Die meisten sprachen vom Ende der Welt, das bald nahen sollte.

Jesus hatte elf Followers. In kürzester Zeit baute er sich eine riesige Reichweite auf und hielt zahlreiche Lives ab, auf Berghügeln, in Dörfern und in Städten. Immer mehr Menschen folgten ihm. Und da das Ganze eben offline stattfand, verließen sie ihr Zuhause und gingen ihm nach – so begeistert waren sie von diesem Mann mit der besonderen Aura.

Jesus war nicht einverstanden mit dem Zustand der Gesellschaft. Er kritisierte, dass die Menschen Konsum und wirtschaftliche Interessen wichtiger nahmen als die Spiritualität. Es gefiel ihm nicht, dass heiliges Tempelgrundstück entweiht wurde, um Business zu betreiben. Seine Hood war besetzt von römischen Machthabern und die Menschen lebten nicht in Freiheit, sondern mussten sich dem Willen der Römer beugen. Die meisten fürchteten sich vor den Kolonisatoren, doch sie wagten es auch nicht, Widerstand zu leisten, aus Angst um ihr Leben. Die Kreuzigung war damals eine gängige und durchaus abschreckende Strafe für Verbrecher und Feinde des Systems.

Jesus hatte keine Angst. Er vertraute 100% auf Gott. Für die Römer war er ein Dorn im Auge genauso wie für die jüdische Obrigkeit. Denn er wollte das System umwälzen und auch die Religion renovieren. Für die Besatzer war er ein Terrorist. Für die Juden ein Plagegeist. Für seine Followers aber war er der Retter der Menschheit.

Jesus Message

Überall, wo Jesus Menschen begegnete fand Heilung statt. Denn er sah nicht ihre Krankheiten und Leiden, ihre Macken und Mängel, sondern sein Blick war so scharf, dass er den Schleier der Illusion durchdrang. Er konnte das wahre Wesen in jedem Menschen erkennen. Er sah die unversehrte Essenz und brachte sie zum Vorschein, indem er das Licht der universellen Liebe auf sie scheinen ließ.

Jesus behauptete, dass er der Sohn Gottes war und dass wir Menschen alle Kinder Gottes seien. Wir sollten alle auf unseren Vater vertrauen und das Richtige tun. Wir sollten Jesus zum Vorbild nehmen und ihm nachfolgen.

Wenn Jesus eine auf die Fresse bekam schlug er nicht zurück. Er hielt seine andere Wange hin. Denn Gewalt als Antwort auf Gewalt schürt bloß Gegengewalt. Wahre Stärke zeigt der, der nicht reagiert und nicht nach Rache und Vergeltung verlangt. Der, der es schafft, seine Wut in Güte zu transformieren.

Jesus Message war auch, dass wir uns keine Sorgen machen sollen um unser materielles Wohl. Es wird immer für uns gesorgt, wenn wir darauf vertrauen. Wir müssen nur bitten und wir werden empfangen.

Jesus Botschaft lautete auch, denjenigen, die uns verletzt haben zu verzeihen. Denn ihnen war nicht bewusst, was sie uns antaten.

Jesus behandelte die Aussätzigen der Gesellschaft, die Prostituierten, die Behinderten, die Kranken und die Armen mit demselben Respekt, den er anderen Menschen zukommen ließ. Für ihn waren alle Seelen gleichwertig.

Er lehrte uns auch, Mitgefühl zu zeigen und unseren Mitmenschen zu helfen. Denn wir sind alle Brüder und Schwestern, alle Gottes Kinder.

Drei-Tages-Challenge

Schließlich forderte Vater Gott seinen Sohn Jesus zu einer Drei-Tages-Challenge auf. Die Herausforderung bestand darin, sein Vertrauen und seine Loyalität zu beweisen und den Menschen zu zeigen, dass das Leben ewig ist. Gott informierte Jesus darüber, wie die Challenge im Detail ablaufen würde. Jesus war nicht sonderlich begeistert, denn er würde dabei draufgehen. Doch er nahm die Herausforderung an und tat, was sein Vater von ihm verlangte. Immerhin war dieser Gott und Gottvertrauen war Jesus Message. Also musste er nun geradestehen für seine Ideale und ein Zeichen setzen für die Menschheit.

Die offizielle Story lautete aber, dass die Römer und Juden die Schnauze voll hatten von diesem irren Möchtegern-Guru, der mit seinen Lives und seinen esoterischen Healing-Sessions die Bevölkerung in Aufruhr versetzte. Also erklärten sie ihn zum Verbrecher und fahndeten nach ihm.

Einer seiner Followers hatte Angst, selber bestraft zu werden. Also verriet er seinen Influencer und so konnten die Römer diesen gefangen nehmen. Auch das war Teil der Challenge, die Gott sich ausgedacht hatte. Jesus weihte seine engsten Follower ein in den Plan und diese fanden die Vorstellung nicht cool, ihren Anführer zu verlieren. Aber er beschwichtigte sie und forderte sie auf, zu vertrauen und seine Worte niemals zu vergessen. Jesus wurde abgeführt und im Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Das war schlimm für seine Followers und die meisten von ihnen ergriffen die Flucht.

Oster-Challenge Tag 1:

Jesus bekam eine Dornenkrone aufgesetzt und wurde verspottet und ausgepeitscht, während er ein riesiges schweres Holzkreuz auf einen Hügel schleppen musste. Mehrmals brach er zusammen und verlor fast das Bewusstsein. Am Schluss hängten sie ihn an das Kreuz und zwar nicht, wie damals üblich, mit Seilen an Händen und Füßen und kopfüber. Sondern er wurde mit erhobenem Haupt ans Kreuz genagelt, sodass es noch qualvoller wäre und viel länger dauern würde, bis der Tod ihn erlösen würde. Einige Followerinnen weinten bitterlich am Kreuze ihres geliebten Bruders.

Oster-Challenge Tag 2:

Sein Leichnam wurde vom Kreuz genommen, gewaschen, in Tücher gewickelt und und in eine Höhle gelegt. Ein dicker Stein wurde davor gerollt. Das war eine ganz normale Grabkammer, wie es damals üblich war.

Oster-Challenge Tag 3:

Am dritten Tag gingen seine Freundin Maria sowie weitere Followerinnen zum Grab und sahen, dass der Stein weggerollt war. Die Leiche war fort aber die Tücher, in die sie gewickelt war, lagen noch herum. Zuerst dachten sie, jemand hätte Jesus Körper geklaut. Aber dann kamen zwei Engel herbeigeflogen und berichteten, dass er auferstanden sei.

In den folgenden Tagen erschien Jesus seinen Followers live und sie waren ganz perplex. Er war wieder am Leben und blieb noch 40 Tage unter ihnen. Dann hatte er seine Mission erfüllt und ging zurück nach Hause zu unserem Vater, um erst einmal wieder im Himmel zu chillen.

Das Leben nach dem Tod

Jesus letzte Message war, dass wir keine Angst vor dem Tod haben müssen, da der Tod nicht das Ende ist. Wir müssen auch nicht sterben, um die Angst vor dem Tod überwinden zu können. Das Himmelsreich ist bereits angebrochen und im Hier und Jetzt erfahrbar. Es reicht, den Ego-Tod zu sterben und zu erkennen, wer wir im Kern unseres Wesens wirklich sind. Und zu erkennen, dass wir die Hölle und den Himmel in uns tragen. Wir können uns in jedem Moment entscheiden, was wir erleben möchten: Himmel oder Hölle.

Seine Followers sagten, irgendwann würde er wiederkommen und den Himmel auf Erden ein für alle Mal umsetzen und diejenigen befreien, die noch immer in ihrer inneren Hölle schmoren würden.

Nach seiner Himmelfahrt wurde er zur Legende. Seine Followers schrieben mehrere Bücher über ihn, die sie in einem dicken Band zusammenfassten. Sie gründeten eine Religion in seinem Namen. Die Idee war, Jesu Lehren zu bewahren und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es ging darum, die Werte umzusetzen, die Jesus vorgelebt hatte, wie etwa Liebe und Mitgefühl, Respekt, Vergebung, Demut, Versöhnung, Akzeptanz und Vertrauen auf Gott. Das lief ganz gut und auch wenn der Jesus Tribe am Anfang noch eine kleine illegale Gruppierung war, so wuchs er dennoch immer weiter. Irgendwann wurden sogar die römischen Machthaber zu Followers und das Christentum zur Staatsreligion.

Doch die Imperialisten haben noch lange nach dem Untergang des Römischen Reichs die Religion missbraucht, um die Welt zu erobern und zu knechten. Die Lehre Jesu wurde verzerrt und die Gnade Gottes für einige exklusive Premium-Mitglieder vorbehalten. Der Pöbel unter den Followers wurde unterjocht und durch Angst, Schuld und Scham in Schach gehalten. Die Followers der Besatzer, die Jesus ans Kreuz genagelt hatten, benutzten die Religion schließlich, um die Jesus-Followers zu unterwerfen und ihre Macht aufrechtzuerhalten.

Die Bedeutung von Ostern in der Corona-Zeit

Die Corona-Challenge dauert länger als drei Tage, länger als 40 Tage. Der Virus unterscheidet genauso wenig wie Jesus zwischen Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, finanziellem Status oder Bildung. Er bietet eine Gelegenheit, über uns selbst hinauszuwachsen und als Menschheit zusammenzuhalten.

Ostern ist eine gute Gelegenheit, um sich die Message von Jesus in Erinnerung zu rufen – die Botschaft von Jesus, dem Influencer, nicht die Doktrin der Machthaber.

In der Corona-Krise spielen Nächstenliebe, Mitgefühl und Vertrauen eine wichtige Rolle. Jetzt gibt es viele, die ihre Jobs verloren haben oder vor dem Bankrott stehen. Es gibt auch viele, die mit der Isolation und Einsamkeit nicht klarkommen und in die Depression verfallen. Einige haben Freunde und Familie verloren. Außerdem leiden sehr viele unter Angst vor der Zukunft sowie vor dem Virus selbst.

Liebe und Mitgefühl sind nicht nur fancy Hashtags oder coole T-Shirt-Beschriftungen. Liebe ist die Energie, mit der Jesus Menschen geheilt hat. Liebe heilt nicht nur seelische Wunden. Sie heilt unsere Herzen. Die Kraft der Liebe ist die Macht Gottes. Es ist die Energie, die Jesus Christus vorgelebt und gepredigt hat. Schenken wir diese Liebe uns selbst und unseren Mitmenschen und wir heilen die Welt.

Es besteht kein Grund zur Angst, wenn wir uns auf Gott und aufeinander verlassen. Wir sind herausgefordert, unser Vertrauen in uns selbst, die Menschheit und in Gott (bzw. Allah, JHWE, das Universum, die Quelle, Spirit, etc.) unter Beweis zu stellen. Es geht darum, zu erkennen, dass wir alle Kinder Gottes sind und die Macht haben, die Welt zu gestalten. Wir sind nicht geboren, um Sklaven zu sein und uns von der Angst gefangen halten zu lassen. Egal, wo diese herrührt. Wir sind auf der Welt, um frei zu sein, zu heilen, zu wachsen und unser Bewusstsein weiterzuentwickeln.

Ostern ist das Fest der Auferstehung, der Wiedergeburt und des Neuanfangs. Wir sind hier, um bereits zu Lebzeiten die Angst vor dem Tod zu besiegen und aufzuerstehen zu neuem Leben. In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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© Anne-Marie Sterr 2020
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