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Lebenserfahrungen upcyceln

„Achte auf deine Gedanken denn sie werden zu Gefühlen.
Achte auf deine Gefühle, denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

Dieses Zitat ist angeblich aus dem Talmud, aus China und von Marc Aurel. Egal, wer es geschrieben hat, es steckt viel Weisheit darin.  

Wir haben nicht alles in der Hand, was uns im Leben widerfährt. Die Haltung, mit der wir Situationen begegnen, ist jedoch immer unsere Wahl – beginnend mit den Gedanken, die wir darüber denken. Was nicht bedeutet, sich Schreckliches schönzureden, zu verdrängen oder eine Schicht positive Gedanken draufzuklatschen, die sich nur fake anfühlen. Und ja, manchmal haben wir nicht den Eindruck, dass wir wirklich eine Wahl haben. Vor allem, wenn eine Situation absolut rotes Tuch ist. Über diese emotionalen Alarmknöpfe habe ich in meinem Artikel „Emotionale Überreaktionen“ geschrieben. In diesem Post geht es um die Transformation von Lebenserfahrungen.

Alchemie des Bewusstseins

Den meisten ist Alchemie bekannt als das Bestreben, Blei in Gold zu verwandeln. Das klingt nach einer Lebensaufgabe mit geringen Erfolgsaussichten. Doch das eigentliche Ziel der Alchimisten war es nicht etwa, aus Blei Gold zu machen, sondern herauszufinden, wie sie sich selbst verwandeln können. Jeder kann sich selbst ändern und wir tun es ununterbrochen, bewusst oder unbewusst. Zwar nicht vom Menschen zum Adler oder Bären, aber zu einer neuen Version von uns selbst.

Genaugenommen verändert sich alles ständig. Jede Sekunde die vergeht ist für immer vergangen und in jedem neuen Moment sind wir ein bisschen älter. Unsere Körperzellen erneuern sich ständig und nach sieben Jahren ist nichts mehr von dem übrig, was wir sieben Jahre zuvor – körperlich – waren. Unser Bewusstsein hingegen ändert sich oft jahrelang nicht, weil wir auf Autopilot fahren und immer dieselben alten Programme abspielen. 95 Prozent unseres Bewusstseins ist unbewusst. Also müssen wir die fünf Prozent nutzen, um die 95 Prozent zu transformieren, wenn wir unsere Wahrnehmung von Lebensereignissen upgraden möchten.

Energie folgt der Absicht

Um eine Lebenserfahrung upzucyclen ist es wichtig, zu verstehen, was das mit Absicht und Energie auf sich hat. Wenn wir unsere Welt unter dem Mikroskop betrachten, stellen wir fest, dass im Wesentlichen alles Energie ist. Energie kann nicht verloren gehen, sie ändert lediglich ihren Zustand. Wir können alle unseren eigenen mentalen, emotionalen sowie physischen Zustand verändern. Wir geben unseren Erfahrungen die Bedeutung, die sie für uns haben. Unsere Perspektive ist es, die darüber entscheidet, wie wir etwas empfinden und unseren Blickwinkel können wir immer anpassen.

Die Energie folgt der Intention. Mit unserer Absicht entscheiden wir über die Richtung, in welche die Energie unseres Bewusstseins fließt sowie die Perspektive, die wir einnehmen. Durch Vertrauen, dass diese Absicht auch gelingen wird, ermöglichen wir, dass die Energie freien Lauf hat. Durch Zweifel und Angst blockieren wir den Energiefluss.

Wie ich meine Erlebnisse upcycle

Als ich meine Verzweiflung nicht mehr aushielt, transformierte ich sie in Mut. Und wenn ich wieder einmal verzweifle, fasse ich erneut Mut. Es ist kein einmaliger Aufwand, sondern ein andauernder Prozess. Es geht immer eine Schicht tiefer, einen Schritt weiter und zum Glück auch immer schneller. Aus einer Trigger-Erfahrung aus dem Alltag wurde im Nullkommanichts ein kleiner Blog-Artikel. Aus meiner Geschichte habe ich Kraft geschöpft und ein Buch gemacht, das andere inspirieren soll. Das Buch ist quasi ein Upcycle-Produkt. Tragödien mache ich zu Erfolgen und Enttäuschungen zu Chancen. Wenn der Boden unter den Füßen wegbricht, ist das die beste Gelegenheit, um Fliegen zu lernen. Orientierungslosigkeit und Haltlosigkeit bedeuten, alles ist möglich!

Alles Positive birgt den Kern des Negative, alles Negative den Kern des Positiven. Denn alles, was wir in unserer Welt wahrnehmen, kann nur aufgrund seines Gegenteils überhaupt erkannt und erlebt werden. Gewalt birgt das Potenzial für Frieden, das Licht scheint nur in der Dunkelheit und wer schon einmal traurig war, weiß das Glück zu schätzen. Durch eine negative Erfahrung entsteht der Wunsch nach dem Gegenteil. Wenn dieser Wunsch groß genug wird, dann wird er zur Absicht.

Glück ist eine Entscheidung

Irgendwann sah ich die positive Wirkung, die der Tod meines Vaters auf mein Leben hatte. Irgendwann war ich extrem dankbar dafür, dass mein Ex-Mann sich drei Monate nach der Hochzeit von mir getrennt hatte. Irgendwann merkte ich, wie meine Kindheitstraumata mich auf meinem Lebensweg weiterbrachten. Denn ich erkannte, wie all diese Erlebnisse meine persönliche Entwicklung prägten und mich zu dem Menschen machten, der ich heute bin. Ich denke anders über meine Erfahrungen und so fühle ich mich anders und rede anders darüber. Das hat gewiss mit dem zeitlichen Abstand zu tun. Aber nicht nur. Allem voraus ging die bewusste Entscheidung, mich zu heilen, eine neue Haltung einzunehmen, mich persönlich weiterzuentwickeln – die Absicht, mein Glück zu finden, koste es was es wolle.

Gedanken, Gefühle und Erfahrungen transformieren

Kurzum: Du kannst alles upcyceln, was du willst – wenn es deine Absicht ist. Beginne mit den Gedanken, denn sie beeinflussen deine Gefühle. Übe es am besten mit kleineren Alltagssituationen. Bus verpasst? Yeah, Zeit für einen Kaffee. Stau? Super, Zeit zum Nachdenken. Handy-Akku leer? Toll, Zeit zum Abschalten.

Sei wie das Wasser, das sich seinen Weg durch die Gesteinsschichten bahnt. Sei wie der Bambus im Wind. Versuche, so wenig wie möglich Widerstand aufzubauen gegen das was ist, sondern die Haltung zu wählen, mit der du dir selbst nicht im Weg stehst. Denn letzten Endes ist es deine Absicht glücklich zu sein, oder nicht?



© Anne-Marie Sterr 2020
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