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7 Corona-Lektionen zum Nachdenken

"Uns bietet sich durch diese weltweite Krise die großartige Gelegenheit, unser Bewusstsein und unsere Lebensweise weiterzuentwickeln."

Die Welt verändert sich gerade rapide. Nichts wird wieder wie zuvor. Im Moment leiden viele von uns unter der Angst vor dem Virus und vor dem wirtschaftlichen Ruin. Die Hoffnung, dass alles bald wieder so wird wie in der präcoronialen Ära stirbt wohl zuletzt. Aber irgendwann wird sie – hoffentlich – sterben und ersetzt, durch die Hoffnung auf noch bessere Zeiten. Denn seien wir einmal ehrlich, so gut waren die „guten“ alten Zeiten nicht. Vorteilhaft für uns privilegierte Maden im Speck, aber nicht nachhaltig und langfristig tragbar für die Menschheit und den Planeten als Ganzes.  

Wir können einiges lernen von diesem Virus, das so klein ist, dass wir es mit bloßem Auge nicht einmal sehen können. Im Folgenden habe ich sieben Corona-Lektionen zusammengetragen.

1. Kontrolle vs. Freiheit

Der Virus zeigt uns, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben. Kontrolle ermöglicht ein künstlich erzeugtes Gefühl von Sicherheit und entspringt der Angst vor der Unsicherheit – vor dem Unbekannten. Sie bildet den Widerstand gegen die freie Entfaltung. Absolute Sicherheit gibt es nicht, denn es gibt keine komplette Stagnation. Das Leben ist Bewegung, unentwegte Veränderung. Das ist Evolution.

Es ist unmöglich, alles zu kontrollieren. Das intakte Ökosystem reguliert sich selbst, es braucht keinen Eingriff von außen. Seit Jahrtausenden versucht die Menschheit, sich den Planeten untertan zu machen und sämtliche Lebewesen zu unterjochen.

Wir versuchen derzeit alles Menschenmögliche, um das Coronavirus zu kontrollieren, das die Willkür geradezu zu verkörpern scheint. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass wir nicht kontrolliert werden möchten. Die massiven Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die weltweit gelten, vergrößern die Sehnsucht nach Freiheit.

Freiheit bedeutet, Veränderung anzunehmen. Freiheit bedeutet, die gekünstelte Sicherheit der Kontrolle aufzugeben und sich zu öffnen für das Unbekannte. Freiheit bedeutet, Unsicherheit und Ungewissheit zu akzeptieren.

2. Angst vs. Akzeptanz

Krisen sind oft Zeiten der radikalen Veränderung, aus denen viel Neues hervorgeht. Das nie Dagewesene anzunehmen ist wie Sterben. Es wirkt bedrohlich und befreiend zugleich. Die Angst vor dem Unbekannten wurzelt in der Angst vor dem Tod, die Mutter aller Ängste. Sie wird spätestens dann verschwinden, wenn das Neue sich gezeigt, etabliert und bewährt hat. Sobald wir das Licht am Ende des Tunnels sehen und es mehr als nur ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont ist, werden wir uns wieder entspannen.

Wir können Veränderung fürchten oder sie akzeptieren, anpassen und von ihr lernen. Wir können lernen, mit der Ungewissheit zu leben und die damit einhergehende Unsicherheit anzunehmen oder die Angst mental aufbauschen bis sie uns lähmt.

Radikale Akzeptanz ist eine Einstellung, die der Angst diametral gegenübersteht. Wenn wir unsere Angst akzeptieren, nehmen wir ihr die Bedrohlichkeit und lösen den Widerstand gegenüber der Veränderung auf. Akzeptanz bedeutet, das Beste aus der Situation zu machen und Veränderung anzunehmen.

Das einzige, was wirklich ewig unveränderlich bleibt, ist die Tatsache, dass sich alles stetig verändert. Wandel zu akzeptieren und das Unbekannte anzunehmen heißt auch zu vertrauen. Wir Menschen sind eine sehr anpassungsfähige Spezies und darüber hinaus ziemlich intelligent und einfallsreich. Wir können durchaus in unsere Fähigkeiten vertrauen. Wir müssen uns nur dazu entscheiden.

3. Selbstverständlichkeit vs. Wertschätzung

Wenn man etwas verloren hat oder eine ganze Weile entbehren muss, weiß man es wieder zu schätzen. Früher – also bis vor ein paar Wochen – war Vieles so selbstverständlich, wonach wir jetzt schon lechzen. Wir lernen nun die kleinen Dinge zu schätzen. Mittlerweile sehnen wir uns alle danach, endlich wieder Menschen die Hand geben und unsere Liebsten umarmen zu können. Wir freuen uns schon darauf, wieder unter die Leute zu kommen, in Restaurants, Theater und auf Konzerte gehen zu dürfen. Wenn wir wieder verreisen und fremde Länder besuchen können, werden wir dieses Privileg erst wieder zu schätzen wissen.

Irgendwann lebten wir alle im Garten Eden glücklich und zufrieden. Doch wir wussten es nicht. Um erkennen zu können, wie gut es uns ging, mussten wir das Paradies verlassen.

Seither leben wir in einer Welt der Kontraste. Durch die Trennung lernen wir, was Verbundenheit bedeutet. Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne. Je schwerer die Last, desto größer die Erleichterung. Je schlimmer der Schmerz, desto schöner die Freude. Wir erleben gerade Einschränkungen auf zahlreichen Ebenen, die wiederum zu ungeahnten Fortschritten führen werden.

4. Einschränkung vs. Fortschritt

Das Leben auf der Erde entwickelt sich stets weiter, Evolution ist ein fortwährender Prozess. Das Universum weitet sich aus. Durch die Kontrasterfahrungen wächst das Bewusstsein. Wir können uns widersetzen, am Alten festhalten und leiden oder mit dem Flow gehen und über uns selbst hinauswachsen. Uns bietet sich durch diese weltweite Krise die großartige Gelegenheit, unser Bewusstsein und unsere Lebensweise weiterzuentwickeln.

Die Welt, wie die meisten von uns sie bisher kannten, zerfällt. So entsteht Platz für Neues. Ein wichtiger Schritt in der persönlichen Weiterentwicklung ist die Erkenntnis, dass sich die Geschehnisse oft nicht ändern lassen, wohl aber die eigene Haltung, die man dazu einnimmt. Und durch die Einstellung ändern sich die Dinge. Perspektive ist alles – darüber habe ich letztes Jahr einen ganzen Blog-Beitrag geschrieben.

5. Hochmut vs. Demut

Als Krone der Nahrungskette sind wir Menschen davon ausgegangen, dass wir keine natürlichen Feinde haben – außer uns selbst. Mit einer Arroganz und Selbstverständlichkeit haben wir uns auf der Erde ausgebreitet, sie ausgebeutet und geknechtet. Wir haben tausende Tier- und Pflanzenarten ausgerottet, die Meere, Flüsse und Landschaften verschmutzt. Ganz zu schweigen davon, wie wir mit uns selbst und miteinander umgegangen sind. Nun kommt dieses Virus und weist uns in die Schranken. Corona zeigt uns die Grenzen unseres Daseins auf. Plötzlich erkennen wir, dass wir nicht so unantastbar sind, wie wir dachten. Unsere eigene Verletzlichkeit wird uns auf dem Tablett serviert und das ist schmerzlich und zugleich sehr lehrreich. Denn langsam aber sicher wird uns bewusst, worauf es wirklich ankommt.

6. Egoismus vs. Solidarität

Unser bisheriger Lebensstil ist ziemlich egoistisch. Wir Menschen sind für den Planeten das, was der Virus für uns ist: eine Plage. Wir leben auf Kosten anderer. Der Wohlstand und Luxus der einen basiert auf der Armut und Not der anderen. Wir beuten die Erde, die Tiere, die Pflanzen und unsere Mitmenschen aus, ohne Rücksicht auf Verluste.

Die Angst selber zu kurz zu kommen führt zu egoistischer Ausbeutung. Deswegen legen sich manche Menschen riesige Vorräte an und scheren sich einen Dreck darum, ob andere leer ausgehen. Aber irgendwann merken auch sie, dass der Kontakt zu Menschen und das Wohl der Gemeinschaft etwas Unbezahlbares ist, das wir alle noch dringender brauchen als Lebensmittel.

Der Coronavirus bringt uns auch bei, solidarisch zu denken und in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten. Viele nehmen Rücksicht auf die Alten und Schwachen der Gesellschaft. Sie helfen ihren Nachbarn mit Einkäufen. Sie machen sich Gedanken um die Mitmenschen, pflegen Kontakte online und per Telefon. 

7. Außen vs. Innen

Bisher war unser Leben sehr auf das Äußere fokussiert. Auf Besitz und Errungenschaften, Konsum und Distraktion. Wir waren zu beschäftigt und zu abgelenkt, um uns auf das Wesentliche zu besinnen und mit uns selbst auseinanderzusetzen. Jetzt, da wir zuhause bleiben und viel Zeit zum Reflektieren haben, wenden sich viele von uns nach innen. Diejenigen, die alleine leben, sehen sich unmittelbar mit sich selbst konfrontiert. Diejenigen, die in Familien leben, spiegeln sich gegenseitig – und setzen sich auf diese Weise mit sich selbst auseinander.

Die Welt im Außen ist ein Spiegelbild dessen, was in uns vorgeht. Das Coronavirus bringt alles zum Vorschein, was in uns schlummert. Das Groteske sowie das Schöne. Es hält uns den Spiegel vor und zeigt uns wo wir stehen.

Unser bisheriger Lebensstil war nicht nachhaltig und wir hätten einfach so weitergemacht, ohne das Bedürfnis zu verspüren, wirklich etwas zu verändern. Not macht bekanntlich erfinderisch und neue Erfindungen brauchen wir dringend. Ich bin zuversichtlich, dass diese Krise ganz viele positive Veränderungen bringen wird. Denn das Licht der Welt wurde in der Dunkelheit der Nacht geboren.

Fallen dir noch mehr Lektionen ein, die wir vom Coronavirus lernen können? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar.


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